Ariuvist

Wednesday, November 01, 2006

Gedanken zur Debatte über den Dinokiller

Nachdem ich den Artikel Saurier-Streit: Showdown um den Dinokiller im Spiegelonline
gelesen habe, kamen mir ein paar Gedanken zu diesem doch komplexen Thema. Es fällt auf, dass es so komplex ist, als das eine grobschlächtige Theorie es aufeinmal bezwingen könnte. In der Wissenschaft hatten einfache Theorien bei Schlüssel Thema nur eine kurze Überlebensdauer und stellen nur Bindemodelle dar - hier zum Beispiel das Rutherfordmodell.

Somit ist es eher wahrscheinlich, dass beide Parteien unrecht haben, aber trotzdem der Wahrheit nahe kommen. Der Streit über den Dinokiller teilt sich in zwei Parteien, den welche eine Meterioiteneinschlag oder welche die eine Kette von Supervulkanausbrüchen für das Massensterben verantwortlich machen. Das schöne an den Modellen ist, es sind schlagwortartige Modelle, die plakativ sind, ohne wirklich tiefere Fragen zu klären:

1. Warum sollte der Einschlag keine längerfristigen Folgen haben,
er kommt einem Beben von Stärke 10< gleich, und kann somit nicht mehr
von der Erdkruste absorbiert werden, die Kruste kann nur selber Beben
bis zur 9,7 aufbauen, also wohin wandert die übertragene Energie?
Durch Analyse alter Tsunami konnte eine Bebensstärke von 20 festgestellt
werden, also 10 Milliarden mal stärker als jedes von der Erde selbst
möglich ausgelöste Beben. Was für ein Beben würde ein Einstürzender
Supervulkan nach einem Ausbruch verursachen, besonders wenn über ihn
eine große Wassersäule befindet?
Wenn schon Beben dieser Größenordnung auftreten, kann nicht von einem
elastischen Stoß ausgegangen werden, in wie weit werden die
Konvektionsströme innerhalb des flüssigen Kernes beeinflusst, was
passiert dort? In den letzten Zehnjahren gab es weitreichende
Grundsatzexperimente und -simulationen zum Verständnis der
Erdmagnetfeldes, aber Aussagen über diesen Spezialbereich wurden noch
nicht publiziert.

2. Was löst Supervulkane aus, woher stammt ihr Potential und warum
trat eine Häufung direkt nach großen Meteoriteneinschlägen auf. Gibt es
eine Erklärung für ihren Mechanismus und inwieweit stehen sie in
Verbindung zu Hotspots. Wichtigere Frage, gibt es einen Zusammenhang zum
Erdmagnetfeld und somit Dynamo des flüssigen Kerns. Soweit ist nur
geklärt, das kein Material aus dem flüssigen Kern zu Hotspots oder
Supervulkanen transportiert werden, aber dies heißt nicht, dass nicht
durch Konvektionsstromketten sie die Energie für Supervulkane liefern
könne. Nach Überschlagen der Konvektionsgeschwindigkeit, kam ich etwa
auf 0,3 Ma die eine Störung des Erdmagnetfeldes benötigte, um eine
Wirkung auf der Oberfläche zu erzielen.

Da diese Fragen bis jetzt noch beantwortet werden konnten, lassen sie auch folgende Interpretationsmöglichkeit der Ereignisse vor 65 Ma zu, wobei beide Theorie dafür benutzt wurden, um die oben gesteckten Randbedingungen zu erfüllen, also die Fragen zu umgehen.

1. Ein Meterioit mit einem Durchmesser von über 10 Kilometer schlug
auf die Erde ein

2. Sein Impact vernichtet direkte Umgebung und sein Tsunami besorgt
die etwas weiter entfernte Umgebung den Rest.

3. Der Impactwinter führt zu einer weiteren Schwächung der
Megafauna auf der Erde.

4. Nach 300ka trifft die volle Wucht der Supervulkane, die durch
eine Störung des Erdmagnetfeldes ausgelöst werden, auf die Überlebende
und gibt der Megafauna je nach Ausbruchs Ort den Rest, halt auf dem Land
oder im Meer.